DSDS - Wer gewinnt wirklich?
Es ist Begeisterung pur:
Junge Leute versuchen sich als Gesangstalent und das Publikum vor dem Fernseher stimmt dann live per Telefon darüber ab, wer weiterkommt und wer nicht.
Dazu noch eine tolle Bühnenshow und die scharfen Kritiken der Juroren.
Man könnte meinen, der Kandidat der am Ende gewinnt wäre der Gewinner. Denn er kriegt einen Plattenvertrag, eine eigene Tour und so weiter.
Doch ist er wirklich der Gewinner? Oder sitzen da nicht noch welche im Hintergrund die mehr absahnen?
Die Verlierer:
Da steh ich nun ich armer Tor,
und bin so arm wie je zuvor.
Der Ausschuss:
Zuerst sollten hier wohl die Kandidaten genannt werden, die schon vor der Show rausgeflogen sind. Teilweise sind wirklich gute Talente darunter, doch hier wird vor allem auf Aussehen und Ausstrahlung geachtet. Wir sind ja Fernsehen und nicht Radio.
Richtige Talente/Newcomer:
Auch die Talente, die auf die “altmodische” Art ohne Castingsshows entdeckt werden wollen bleiben aussen vor, die Plattenfirmen wollen heutzutage Präsenz, sie wollen nichtmehr die Katze im Sack kaufen. Wer sich nicht selbst vermarkten kann hat hier schon verloren. Sehr viele vielversprechende Talente gehen hier verloren.
Die Kandidaten:
Ja, richtig gelesen, auch die Kandidaten zählen zu den Verlierern.
Beispiel: Alexander
Kennt den noch irgendwer? Nein. Hört man noch von ihm? Nein.
Hat er bei DSDS gewonnen? Ja.
Doch sobald der Medienhype und die Unterstützung des Senders weg ist, ist auch ein “Superstar” uninteressant geworden.
Man schickt ihn nach der erfolgreichen Ausbeutung raus in die harte Geschäftswelt der Musik.
Der Kandidat ist diese Welt allerdings garnicht gewohnt, schnell ist er weg vom Fenster.
So lange der Medienhype anhält sind ihm Interviews gewiss, doch sobald er kein neues Skandalmaterial bringt, wie es beispielsweise Paris Hilton tut, wird der Kandidat von den Sendern, Firmen und Plattenbossen fallen gelassen wie ein Stück vergammeltes Brot.
Denn nur wer auffällt verkauft sich heute.
Die Gewinner:
Natürlich gibt es bei einer Schattenseite auch einen Sonnenseite.
Auf der Seite der Gewinner ganz oben steht…
Der Sender:
Man nehme ein Erfolgsformat aus den USA, kopiere das und fertig sind die deutschen Castingshows.
Ein gewisser Sender hat damit riesige Erfolge gemacht, ein anderer zog mit “Modelcasting” nach.
Hier gibt es 2 Formen, mit denen der Sender Geld einnimmt:
Zum einen durch Werbung - Werbefirmen reissen sich um gute Werbeplätze, sofern die Besucherzahlen stimmen.
Ist ja logisch, wo nix ist, was die Leute interessiert, ist auch keine Werbung. (Darum gibts hier auch keine
)
Es werden Spitzenpreise für die Werbezeit gezahlt, manchmal gehen die Summen in den füf- bis sechsstelligen Bereich.
Welcher Sender würde sich da nicht alle zehn Manager Finger danach lecken?
Zum anderen wird pro Anruf zur “Abstimmung” 50 Cent fällig.
Durch solcherlei Teuronummern halten sich beispielsweise auch Spielesender wie 9Live am Leben.
Wenn man nun berechnet, DSDS hat einen Zuschaueranteil von 4,5 Millionen Zuschauer, wovon 2.25 Millionen anrufen, so hat der Sender da kurz mal 1125000€ gemacht - schnell verdientes Taschengeld zu den Werbeeinnahmen.
Die Werbenden:
Um zu verdienen muss man investieren. Schon meine Oma hat das gesagt - und sie sollte recht behalten.
Auch wenn die werbende Firma anfangs viel Geld investieren muss, es zahlt sich aus. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Das Gehirn (nicht nur das menschliche) verbindet nämlich Bild und Ton gemeinsam zum Erlebnis.
Ein kleines Beispiel aus der Welt der Biologie:
Wir geben einem Hund Futter und läuten kurz davor eine Glocke.
Das ganze wird mehrmals wiederholt.
Dann lassen wir das Futter weg aber die Glocke wird trotzdem munter weitergebimmelt.
Das Ergebnis: *trommelwirbel* Der Hund fängt an zu sabbern, da sein Gehirn das Glockengebimmel mit Futter verbunden hat. Futter ist gut -> Glockengebimmel ist gut. Ganz einfach.
Ähnlich verhält es sich mit der Werbung.
Unsere Starsuchsendung schaltet für 20 Sekunden auf Werbung (diese neue Methode dürfte bekannt sein).
In diesem Miniwerbeblock wird nun das Bier einer bekannten Brauerei angepriesen.
Danach gehts weiter mit dem Gegröhle.
Das Gehirn verwendet nun diese Eindrücke um sich ein Gesamtbild zu erstellen. Natürlich sind wir nicht so leicht zu verarschen wie unser vierbeiniger Freund. Aber Grob gesehen ist das Prinzip das selbe und es geht auf.
Das Gehirn verbindet am Ende Sendung -> Gut Bier -> Gut. Man merkt es nur nicht.
Wir sind für die Werbeindustrie also nur bessere Hunde, die nix mit ihrem Geld anzufangen wissen.
Die Juroren:
Da steht er wieder, der Herr B. und mault den armen Kandidaten an. Er muss nur hinhören, bischen was zu sagen, vielleicht etwas maueln und schon hat der Juror seine Aufmerksamkeit.
Es hat einen Grund, warum die Jury aus “Stars” besteht und nicht aus richtigen Musikern oder ähnliches.
Das Zauberwort heisst hier…Publicity. Und zwar für den Juror.
Denn wer ist ständig im Bild zu sehen ohne etwas zu machen?
Bei wem zittern die Zuschauer, was er nun sagt, wie er reagiert?
Richtig. Beim Herrn B. und Gefolgschaft. Darum lassen sich richtige Stars wie beispielsweise Elton John oder die letzten zwei Beatles nicht zu solcherlei Jobs hinreissen - sie haben es auch garnicht nötig.
Doch unsere Juroren haben einen Grund warum sie das machen. Sie sind in der medialen Berichterstattung einfach nichtmehr so wichtig gewesen. Das öffentliche Interesse an ihnen war nichtmehr groß genug.
Durch solcherlei Bewertungsjobs bleiben unsere Freunde auf den Sesseln immer in medialer Präsenz und werden dafür auch noch bezahlt. Was will man mehr?
Ein schöner Artikel als Beispiel der medialen Präsenz durch diesen Job findet man hier.
Schlammschlachten machen eben bekannt. Das ist bei der nicht anders als bei dem.
Kurz gesagt:
Die einzigen Gewinner sind die die dran verdienen - der Sender, die Werbenden und die Juroren.
Der Rest bleibt auf der Strecke. Und der Zuschauer hat seine Unterhaltung.
So. Und in etwas mehr als 2 Stunden gehts wieder los mit Sein oder Nichtsein. Das Nervenspiel das garkeins ist geht in die Letzte Runde - und verspricht einen Geldsegen. Nur nicht für die Kandidaten.
Edit: Inzwischen hat auch der Herr Niggemeier was dazu geschrieben. Kurz und bündig, lohnt sich zu lesen
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