Kampf der Kulturen
Erinnert ihr euch noch an die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts?
Nationen haben gegeneinander Weltkriege geführt, doch nicht nur die Nationen, sondern auch die politischen Systeme
und Ideologien standen in gegenseitiger Konkurrenz zueinander:
Sei es der Nationalismus gegen den Rest der Welt, Kommunismus vs. Kapitalismus und umgedreht und allgemein Demokratien
gegen diktaturistische Systeme - allesamt haben munter aufeinander eingeschlagen, mit zum Teil extremen Verlusten und
krankhaften Methoden.
Heute, knappe 90 Jahre nach dem ersten Weltkrieg, tobt immer noch ein Kampf.
Nicht öffentlich, sondern leise, schwelend.
Wenn er dann ausbricht, kommt das dabei raus.
Nichtmehr Staaten und deren verschiedene Ideologien bekämpfen sich, sondern ganze Kulturkreise.
Wir Leute hier im Westen, also Europa und Nordamerika, haben beispielsweise eine andere Geschichte und Kultur, als die Menschen in China, Afrika oder im Nahen Osten.
Die unterschiedlichen Kulturen werden in Zukunft der Grund für gewalttätige Konflikte sein.
Es hat ja schon angefangen:
Bush spricht von der “Achse des Bösen” und verteufelt damit nahezu den ganzen Nahen Osten.
Im Nahen Osten wird gegen den Westen gehetzt. China hat eine westliche Kultur übernommen und steht ihr doch relativ feindlich gegenüber.
Was sind wir?
Nichtmehr die Staaten sind die Akteure auf der Weltbühne, sondern die Kulturen mit all ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten.
Diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind in Jahrhunderten gewachsen, in denen die Menschen eines Kulturkreises angefangen haben, anders zu denken, als ihre Nachbarn. Genau da liegt der erste Knackpunkt - wir denken anders, wir haben andere Anschauungen von Demokratie, Emanzipation und Recht wie anderswo.
Im westlichen Kulturkreis ist etwas selbstverständlich, in einem anderen wäre so eine Ansicht verwerflich oder gar für den Andersdenkenden gefährlich - umgedreht genauso (sagt mal in Amerika, dass ihr Kommunist seid
)
Genau diese Unterschiede haben die schlimmsten und längsten Kriege hervorgebracht.
Wer sind wir?
Wo vor 100 Jahren noch der Nationalstaat für die meisten Menschen das Zuhause war, die Heimat, sind wir heute entwurzelt.
Diese Entwurzelung wird vor allem durch unseren technischen Fortschritt vorangetrieben - die Welt wird kleiner.
Solch ein Fortschritt hat natürlich Vorteile. Für unsere Kulturen aber extreme Einschnitte.
Der Westen war lange Zeit dominant in Sachen Technik und Militär, dadurch wuchs in uns die Ansicht, dass wir den Rest der Welt
verwestlichen wollen, dass wir den Rest der Welt, aus unserer Sicht, “verbessern” wollen.
Doch die anderen Kulturkreise denken darüber anders - das ist der zweite Knackpunkt.
Konflikte werden durch solcherlei Aktionen à la “Wir befreien die Welt” nur gefördert. Es wird nämlich
immer jemanden geben, der sich einem bei sowas in den Weg stellt.
Durch die Entwurzelung, ergeben sich Verwerfungen an den (imaginären) Grenzen der Kulturen.
Wandert beispielsweise eine Person eines anderen Kulturkreises in ein westliches Land ein,
wird sie eigentlich immer kritisch angesehen.
Gehört der Einwanderer aber des selben Kulturkreises an, so wird die Person recht schnell aufgenommen - klingt komisch, ist aber so.
Dadurch, dass wir mit anderen Kulturen in Berührung geraten, differenzieren wir uns stärker von ihnen und haben gleichzeitig ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl zu unserer eigenen Kultur.
Das geht teilweise Jahrhunderte so (Ureinwohner Amerikas - weisse Amerikaner - Afroamerikaner) und verstärkt solcherlei Konflikte oftmals.
Wohin gehen wir?
Durch Globalisierung verliert der Nationalstaat, wie oben erwähnt, an beziehungstechnischer Bedeutung.
Der Mensch sucht aber nach etwas, an dem er festhalten kann. Gerade jüngere Leute drängen darum zu
dem, was schon Jahrhunderte überdauert hat:
Der Religion.
Die Religion eint die Menschen eines Kulturkreises - es gibt feste Bindungen im christlichen Westen,
im muslimischem Nah-Ost und im buddhistisch/hinduistischem Osten.
Leider geht so ein Zusturm oftmals in die fundamentalistische Richtung, in denen die Region missbraucht wird, um gegen eine andere Religion oder gar einen ganzen anderen Kulturkreis zu hetzen.
Diesen Effekt haben wir derzeit im Nahen Osten zu beobachten, doch auch hier ist es soweit.
In Amerika gibt es schon die ersten “Jesuscamps”, in denen kleine Fünfjährige im Kampfanzug gezeigt kriegen, wie man eine
AK bedient.
Was war - was wird?
Der Westen war lange Zeit dominant und formte die Welt und die Kulturen nach seinen Ansichten.
Inzwischen setzen sich einige Kulturen gezielt zur Wehr, indem sie eine Art “Antiwesten” bilden.
Auch dieses Phänomen kann man in einigen asiatischen und den Nah-Ost Staaten erleben.
Sie erleben gewissermaßen einen Retroboom, in dem sie sich alle zurück auf ihre einstigen kulturellen
Einzigartigkeiten besinnen.
Wir hören nun schon den Einwand “Vereinte Nationen” “UN-Sicherheitsrat” etc. und dass diese Institutionen doch für die Verständigung zwischen den Staaten und Kulturen da sind.
Überlegen wir mal…wir haben im UN-Sicherheitsrat dauernd vertreten: Russland, Amerika, Frankreich, Großbritannien und China.
Genau genommen ist das doch etwas unausgeglichen, oder?
Dieser Rat ist nicht neutral, sondern Pro-Westlich orientiert und setzt eher die Interessen des Westens als den aller Nationen durch.
Warum haben wir nicht beispielsweise den Iran oder ein afrikanisches Land andauernd im Sicherheitsrat? Die beissen doch nicht…
Würde halt nicht ins Muster passen. Dumm gelaufen.
Die Entscheidungen des Sicherheitsrats repräsentieren nicht die der gesamten Staatengemeinschaft,
wir haben überall Fundamentalisten…was sollen wir tun?
Ich persönlich wäre dafür, erstmal einen Keks zu essen und den gemeinsamen Dialog dabei zu suchen.
Kekse gibts lustigerweise nämlich in allen Kulturkreisen.
Frei nach Samuel P. HuntingtonTags:

