Assassin’s Creed - Review
Stellt euch vor, man könnte in den Gedanken Verstorbener rumwühlen, die Ideen und Erlebnisse eines Einsteins nachspielen oder im genialen Intellekt Shakespears oder Goethes nachforschen. Sofern man die Veranlagung, d.h. den vorausgesetzten Verwandschaftsgrad besitzt.
Natürlich ist es blanker Unsinn, die Gedanken und Erinnerungen aus der DNA der Nachkommen zu ziehen, aber nehmen wir mal an, es wäre möglich - wäre das nicht wunderbar?
Es würde mir bestimmt jeder zustimmen, dass es das wäre - bis auf einen. Der gute Mann heißt Desmond Miles, Barkeeper, der nach seiner Entführung von einer fiktiven modernen Templerorganisation namens Abstergo gefangen gehalten wird.
Diese Organisation hat einen netten kleinen Apperat, der sich Animus nennt. Und genau da darf unser Desmond immer wieder, mehr oder weniger freiwillig, reinklettern.
Warum er? Weil sein Vorfahr ein Assassine war.
Dies ist die Rahmenhandlung zu Ubisofts langerwartetem “Assassin’s Creed”, welches im Jahr 1191 im heutigen Israel spielt.
Creed bedeutet übrigens Credo - Credo wiederrum Glaubensbekenntnis.
Man könnte den Spieltitel also salopp mit “Das Glaubensbekenntnis der Assassinen” (”Nichts ist wahr, alles ist erlaubt”) übersetzen.
Die Rasselbande hat den Templern ein Artefakt - den sogenannten “Edensplitter” - gezockt und deswegen muss Desmond nun herhalten.
Man steigt also in den Animus und los gehts.
Wir befinden uns im Jahr 1191 - die Kreuzzüge haben das Land zerrissen, überall herrscht Angst und das Recht des Stärkeren.
Saladin und Richard Löwenherz bekriegen sich. Löwenherz hat gerade die Stadt Akkon zurückerobert und Saladin formiert darum seine Armee in der Hafenruine Arsur neu. Dadurch ist der Großteil des Landes unter der Kontrolle von Statthaltern und Personen, die den Handel u.ä. kontrollieren.
Diese versuchen nun, die Stellung ihrer Herren zum Wanken zu bringen um selbst an die Macht zu kommen.
Und genau diese Personen sind eure Ziele…
Man schlüpft in die Rolle Desmonds Vorfahren Altaïr und durchlebt seine Erinnerungen im Heiligen Land.
Die Handlung des Spiels ist relativ einfach - man wird von seinem Meister Al-Mualim über seinen nächsten Auftrag unterrichtet und wird dann in die dementsprechende Stadt zu seinem nächsten Ziel geschickt.
Al-Mualim weist Altaïr in einen neuen Auftrag ein.

Altaïr bekommt seine letzte und machtvollste Waffe.
In diesen Städten gibt es vielfältige Aufgaben - man kann Bürgern helfen, Informationen durch “Befragen” - besser gesagt herausprügeln -, belauschen, bestehlen oder durch Informanten, welche einem herausfordernde Aufgaben stellen bekommen, schlicht die Stadt erkunden oder mal kurzerhand einen Massenkampf mit den Wachen starten.
Wobei letzteres zumindest am Anfang eher unangenehm ist, da man hier die Angriffe der Gegner noch nicht parieren kann.
Und sonderlich empfehlenswert ist es auch nicht - ist ein Assassine doch eher der stille Angreifer 
Wie in jedem Spiel gibt es zum Ende eine Wende. Gespoilert wird hier aber nicht.
Das Gameplay ist gewöhnungsbedürftig. Ubisoft hat da kurz gesagt irgendwie Mist gebaut…
Die linke und rechte Maustaste “Taste 0″ und Taste 1″ zu nennen ist wirklich ein Meisterstück an Genialität.
Man hätte den Tasten doch einfach ihre alten Namen geben können und Shifttaste bleibt Shifttaste und nicht irgendetwas anderes.
Hat man aber erstmal den Dreh raus, so kann man Altaïr recht gut unter Kontrolle halten.
Die Grafik ist das Aushängeschild Ubisofts in seiner Werbekampagne gewesen.
Und tatsächlich ist die Grafik im Vergleich zu anderen Spielen außergewöhnlich und qualitativ hochwertig. Jedoch bemerkt man an kleinen Grafikfehlern immer noch, dass alles nur ein Spiel ist - wenn Kleidungsstücke und Waffen im Haupttorso verschwinden, wirkt das nicht sonderlich ansprechend. Im großen und ganzen ist es aber im Vergleich zu anderen derzeitigen Spielen ein großer Schritt nach vorne.

Altaïr blickt über einen Stadtteil Jerusalems.
Geschichtliche Korrektheit ist das zweite Aushängeschild Ubisofts. Alle Ziele, die man im Laufe des Spiels attackiert verschwanden oder starben im oder um das Jahr 1191 herum. Auch die Belagerung Akkons und die Einnahme durch Richard Löwenherz sind geschichtlich Korrekt.
Jedoch…

Sicht auf die goldene Kuppel Jerusalems.
…die goldene Kuppel Jerusalems gab es damals noch nicht. Vermutlich wurde dies aber eingebaut um den Wiedererkennungswert zu steigern.

…der jedes Mal in einem Heukarren endet.
Der Kampf ist eine besondere Herausforderung.
Auch hier ist die Steuerung am Anfang recht hakelig, was sich aber mit etwas Übung bald erledigt haben müsste.
Es gibt vier verschiedene Arten, eine Person zu töten. Zielpersonen können allerdings nur mit dem “Hidden Blade” - d.h. mit dem Messer, das den linken Ringfinger ersetzt. Allerdings können auch andere Personen damit schnell und still getötet werden:

Die Wache wird schnell und präzise ausgeschaltet…
Das Schwert ist die Hauptwaffe im Spiel. Man kann sich damit lästige Wachen und Angreifer auf Distanz halten und gleichzeitig machtvoll zuschlagen. Jedoch kann man erst später im Spiel die Waffe wirklich nutzen, indem man die Angriffe des Gegners pariert und sie damit auch gleichzeitig ausschalten kann.

…das gefällt der anderen Wache aber überhaupt nicht!

Die Wachen greifen gern in Massen an. Hier ist ein typischer Kombokill.
Das Verstecken ist ein essentieller Teil um Wachen loszuwerden, die Altaïr nutzen kann, wenn es ihm zu viel wird.
Es gibt vier verschiedene Arten, sich zu verstecken.
1. Die Dachgärten, die man auf diversen Dächern in den Städten finden kann. Sie wirken etwas wie kleine Kämmerchen mit Stofflumpen davor und der Held schmeisst sich in diese Dinger buchstäblich rein, um Wachen abzuschütteln.
2. Heuballen/Heuwagen: “Ein Halm im Kornfeld” wird hier wortwörtlich genommen. Man versteckt sich im Heu und wartet, bis die Wachen die Verfolgung aufgeben - wendet man den “Todessturz” nach der Besteigung eines Aussichtsturms an, landet man automatisch in einem Heuwagen und ist dann auch getarnt.
3. Zwischen Leuten auf Bänken. Altaïr mischt sich hier geschickt unters Volk, um nicht erkannt zu werden. Die gleiche Taktik nutzt er auch, um Leute zu belauschen und so Informationen zu bekommen.
4. Gelehrte. Unser Held kann auch wandelnde Verstecke nutzen. Er mischt sich einfach unter wandelnde Gelehrte und ist so praktisch unsichtbar. So kann er auch in Städte und bewachte Gebäude eindringen, ohne entdeckt zu werden.

Einer dieser Betenden ist nicht das, was er zu sein scheint…
Über den Wolken geht es zwar nicht ganz zu, jedoch über den Dächern der Städte.
Oftmals führt der Fluchtweg nach einem Attentat nur so wieder zurück in das sichere Assassinengebäude.

Altaïr besteigt einen Aussichtsturm.
Ubisofts Versprechen, dass man “alles, was 5 Zentimeter heraussteht, besteigen kann”, trifft voll zu. Beinahe überall gibt es Wege, auf Dächer und Mauern zu gelangen.

Blick auf einen Turm der Festung Maysaf.
Fazit:
Ubisofts neustes Spiel mag auf den ersten Blick ein Hingucker sein, jedoch ist die Handlung - obwohl die Story an sich gut ist - relativ dünn und folgt dem gleichen Schema. Die Aufträge haben keinerlei Abwechslung und die Kämpfe sind, sobald man parieren kann, schlicht zu einfach.
Altaïr mutiert dann zu einer Art unbesiegbarer Schlachtmaschine, die zahllose Gegner niederstrecken kann, dabei sollte doch genau DAS nicht Sinn des Spiels sein.
Das Spiel ist schwer auf Kurzweil fixiert. Wenn man an einem Wochenende nichts zu tun hat, hat man es durch. Und zwar mit nahezu allen Extraaufträgen wie Bürger retten usw.
Grafisch ist das Spiel aber ein richtiges Vorbild für die kommende Generation Videospiele. Es legt damit neue Maßstäbe, an denen sich kommende Titel erstmal messen müssen.
Der Fakt, dass das Spiel als Trilogie geplant ist, ist auch positiv wie negativ zu sehen. Positiv ist wohl, dass man die Spannung vorantreibt und vor allem als Spielemacher mehr Freiheiten und vor allem ein Mehr an Story und zu investierender Spielzeit gewinnt.
Allerdings ist das Ende des ersten Teils doch sehr enttäuschend, da viele Fragen offen bleiben.
Ist das Spiel erst einmal durchgespielt, lohnt sich das laden der bereits besuchten Erinnerungen kaum mehr. Es sei denn, man ist Statsgeil und sucht noch die im Spiel versteckten Flaggen. Wirklich Erkunden kann man die Städte nach dem Spielende nicht, da es keine eingebauten Extras gibt. Man kann zwar durch die Straßen schlendern oder auf den Dächern die Wachen mit Wurfmessern runterholen - das wars dann aber auch schon.
Die geschichtliche Korrektheit, auf die der Hersteller so großen Wert legt, stimmt zwar überein (ausgenommen von dem Schnitzer mit der Goldenen Kuppel in Jerusalem), jedoch wird von den Assassinen ein falsches Bild vermittelt - im Spiel sind sie eine atheistische Vereinigung mit dem Ziel, den Frieden zu wahren. De facto waren sie jedoch eine muslimisch-ismailitische Gruppierung, die auch aus religiösen Gründen tötete.
Ubisoft hat vermutlich diese Gruppierung gewählt und für ihre Vorstellungen umgenudelt, damit sie besser in die Story passen.
Wertung:
Grafik: Die Grafik ist hübsch anzusehen, unter DX10 geht bestimmt noch mehr - 1,5 dafür.
Sound: Die Hintergrundmusik ist manchmal unpassend, die Synchronstimmen gut getroffen aber leider viel zu leise. 2,5 hierfür.
Gameplay: Das Gameplay ist stark gewöhnungsbedürftig und die Neubezeichnung der Tasten nicht gerade förderlich.
Aber dadurch, dass man sich doch recht schnell einspielt und man dann nur wenige Tasten brauch gibts hierfür eine 2.
Spielspaß: Für eine Entwicklungszeit von 4 Jahren ist doch recht wenig dabei rausgekommen. Keine Städte, die wirklich zum Erkunden und Suchen von Geheimnissen einladen, gepaart mit eintöniger Handlung - da gibts Besseres! Darum gibts hier auch, und es ist schade um die Story, die sehr gut ausgearbeitet ist, nur eine der Jahreszahl angepassten Note: 4.
PS: Auf die Bilder klicken, um sie in voller Größe zu sehn
Tags:Assassinen Assassins Creed Kreuzzüge Review Spiel Templer Ubisoft Videospiele
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