Anstarren ist (noch) erlaubt
von Kirika am Jan.27, 2010, unter Komischer Gruscht, Reallife
Es ist mal wieder soweit. Nachdem Onkel Schnüffi schon gescheitert ist, wird nun eben lokal zensiert, protokolliert und kontrolliert.
Um das zu ermöglichen gabs heute in der Schule einen netten Zettel zum Unterschreiben:

Mal schauen. Eine private Nutzung ist nicht erwünscht, das bedeutet dann wohl, wenn man bei privater Nutzung erwischt wird, gibts vermutlich auf die Mütze.
Was eine “kommerzielle Nutzung” ist, wird nicht klargemacht. Ist kommerziell nun, wenn man sich auf seiner Webseite einloggt und da Werbebanner eingebaut sind?
Oder wenn man bei Ebay nach seinem eingestellten Produkt nachschaut? Ziemlich schwammig.
“Es wird jede Anmeldung und jede aufgerufene Webseite protokolliert und bei Bedarf eingesehen” – na super. Damit ist es nicht möglich, sich frei im Internet zu informieren, da man jederzeit mit Supressalien zu rechnen hat, wenn die Daten ausgewertet werden.
Ein kleines Beispiel: Ein homosexueller Schüler meldet sich beim Schwulentreff an und sein Klassenlehrer findet das im Protokoll – das verletzt meines Erachtens die Privatsphäre des Betroffenen, ganz abgesehen von seiner grundrechtlich verbrieften informellen Selbstbestimmung, was über ihn gespeichert werden darf und was nicht.
Alle gespeicherten Dateien von Schülern können eingesehen werden. Etwa sensible private Daten, die man zur Sicherheit auf seinem Speicherplatzkontingent abgelegt hat.
Auch hier sehe ich die Privatsphäre des Schülers verletzt. Und hey, wenn man schon die Macht hat da nachzugucken, wer wird sie denn nicht auch nutzen wollen?
Das wird bestimmt nicht nur bei “Stichproben” bleiben, sondern eher flächendeckend bei “interessanten” Schülern betrieben. Etwa welchen, die sich wehren und aufmüpfig sind. Oder die aus der zweiten Reihe im knappen Röckchen.
Wer weiß, vielleicht werden auch Tastatureingaben protokolliert? Nach jedem Besuch in seinem Mailfach darf man dann vermutlich sein Kennwort ändern?
“Jegliche Veränderung der installierten Computersoftware oder Hardware ist untersagt” – das heißt im Klartext, dass man praktisch nichts an der Kiste machen darf, das sie irgendwie verändert. Etwa seinen USB-Stick einstecken um einen Vortrag halten zu können. Das verändert nämlich die Hardwarekonfiguration um es genau zu nehmen.
Sogar schon das Anmelden auf dem Rechner verändert seine Konfiguration, schließlich werden dann Start- und Anmeldeskripts ausgeführt.
Also Anmelden, USB-Stick einstecken oder sonst etwas ist verboten.
An den PCs darf nur vorhandene, d.h. vom Administrator installierte Software genutzt werden. Hier zeigen sich weitere Probleme – etwa wenn man im Informatikkurs ein Programm schreibt. Genau genommen, darf das dann ja nicht ausgeführt werden, da es ja kein Administrator auf den Rechner kopiert hat. Die Ausstattung auf den Schul-PCs ist aber mehr als dürftig. Ich beispielsweise benutze Firefox Portable, da der vorinstallierte Opera-Browser einfach grottig ist.
“Es ist [...]untersagt, [...] sich auf externen Seiten als Mitglied anzumelden.” – heißt etwa so viel: Du darfst dich von unseren Rechnern aus nichtmehr in irgendwelchen Foren oder ähnliches herumtreiben. Genau genommen darfst du auf keiner Webseite mehr eingeloggt sein. Darunter fallen meiner Meinung nach dann auch E-Mailanbieter oder etwa dieses Blog hier. Sogar das CMS der Schule dürfte davon betroffen sein, schließlich muss man sich da auch anmelden. Man stelle sich vor, die Seite würde brachliegen. Und jegliches Engagement im Internet von Schülern, die das in ihrer Freizeit für den Unterricht machen, wird damit auch zum Erliegen kommen.
Gratulation zu diesem klar durchdachten Rückschritt. Doch. Ehrlich.
Der Hammer kommt aber jetzt: “Jeder Benutzer verpflichtet sich, keine Software, Dateien, Informationen, Kommunikationen oder andere Inhalte im Netz herunterzuladen, zu senden bzw. zu empfangen oder anderweitig zu veröffentlichen. Kurzum: Man darf einfach nichtmehr im Internet surfen oder gar etwas herunterladen oder veröffentlichen!
Der Begriff “Informationen” ist schlicht zu schwammig, da alles als Information gelten kann. Ergo darf man keine Bilder mehr übers Internet herunterladen – es sind schließlich Dateien -, was ja automatisch beim Seitenaufruf geschieht. Genauso werden beim Seitenaufruf Informationen empfangen und gesendet, was ja laut diesen Nutzerordnungen verboten ist. Natürlich kann man dann auch teilweise kaum richtig recherchieren. Aber was machts, sind ja die Noten der Schüler.
Schüler dürfen sich im Internet über die Schulrechner auch nichtmehr politisch informieren oder gar engagieren: “Es ist des Weiteren untersagt im Netz nach Inhalten zu suchen, die Folgendes beinhalten: [...] Werbung, Bekanntmachung oder Angebote für Güter oder Dienste aus kommerziellen oder parteipolitischen Gründen, die von der Systembetreuung nicht genehmigt wurden.” Es wird also eine politische Zensur betrieben. Kurzum. Knallhart.
Ansonsten drohen schlimmstenfalls “strafrechtliche Konsequenzen” sowie die Information der Schulleitung und der Eltern (Eltern müssen aber nicht zwangsläufig auch die Erziehungsberechtigten sein, liebe System-Napministoren).
Ergo kann man als Schüler den Rechner nur anschalten, sich an ihm anmelden, ihn anstarren und später wieder herunterfahren. Mehr ist nichtmehr drin.
Und selbst das Hochfahren eines PCs verändert seine Hardwarekonfiguration durch Abnutzung und Stromzufuhr. Wenn man es genau nimmt, darf man nur noch einen schwarzen Bildschirm anschauen.
Nunja, was haben wir da? Verstöße gegen das informelle Selbstbestimmungsrecht, Verletzung der Privatsphäre, die Meinungsfreiheit und des Demokratieprinzips in Form von Parteiarbeit. Die gesamte “Nutzerordnung” dürfte meines Erachtens rechtlich kaum Bestand haben und ist schlichtweg antidemokratisch. Misstrauen statt Vertrauen und Verbote statt Unterstützung.
Ich frage mich, was eigentlich passiert, wenn man diesen Zettel nicht unterschreibt und damit nicht zur Kenntnis nimmt. Dann dürften eigentlich alle Protokollierungen auf jeden Fall illegal sein. Sie geschehen ja ohne Zustimmung oder Information des Betroffenen – ergo werde ich das auch nicht unterschreiben. Und ich empfehle jedem, das gleiche zu tun.
Aber keine Sorge liebe Schüler, Anstarren ist (noch) erlaubt.
//Edit: Anscheinend kommt dieser Zettel von unserer eigenen SMV. Ich dachte ihr Spaten seid für uns, nicht gegen uns? Was ist das für eine Schülervertretung, die gegen die eigene Schülerschaft arbeitet? Ach es ist zum Brechen.
Januar 27th, 2010 on 21:23
Also ich hab ja selbst den Computerraum meiner Schule gemanged. Und wenn du bei mir solchem Mist angekommen währst hätte ich dir mit nem Fusskick herausgefördert. Allein das ganze zu Überwachen und auch nur Halbwegs vernünftig zu überwachen ist eine Resourcen Verschwendung Sondergleichen.
Bei mir gab es in der Mittagsfreizeit (Ich war auf einer Gesamtschule) Regelmäßig Warcraft3 Turniere und einmal haben wir sogar mit den Lehrern Zusammen gezockt, damit die sich Informieren können wie das mit dem Games leuft.
Naja an so einem Stasi Computerraum habt ihr bestimmt eure Helle Freude