Die Akte Lidl

Geschrieben am März 27th, 2008 by Kirika.
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Heute platzte die Bombe:
Der Konzern Lidl ließ seine Mitarbeiter beobachten.
Nicht nur Ladendiebe wurden per Kamera überwacht, auch die Verkäufer, wer wann wie lange aufs Klo ging, wer mit wem ein Liebesverhältnis hatte, wer wann Pausen macht usw.

Diese Taktiken sind mir nicht ganz neu.
Lidl ist mir nämlich für so etwas schon länger bekannt. Meine Quelle hierzu ist äußerst zuverlässig, hat diese doch 1 Jahr in einer Lidlfiliale gearbeitet.
Mobbing stand dort an der Tagesordnung, Leistungsdruck genauso.
War man an der Kasse, waren 5-Stundenschichten die Regel. Ohne Pause!
Man muss sich mal überlegen, was es da an Nierenschäden geben kann, wenn man 5 Stunden lang versucht, eine volle Blase abzuklemmen.
In den Kassen sind/waren Zeitschaltuhren eingebaut und es gibt sogar genaue Regelungen, wie viel Zeit man für einen Kunden brauch.

Es ist also nicht neu, was da praktiziert wurde, das hat jahrelange Praxis. Ob sich das auf alle Filialen zutrifft, oder nur auf die, wo meine Quelle arbeitete, ist mir nicht bekannt - Fakt ist jedoch, dies wirft kein gutes Licht auf unseren Beinahemonopolisten Lidl,
der gezielt versucht hat, Betriebsratsgründungen zu erschweren und zu verhindern.

Stellt sich doch manchem die Frage, wie lange der Staat da noch nahezu tatenlos zusehen will.Tags:Arbeitsbedingungen Überwachung Lidl

R.I.P. - Fernmeldegeheimnis & Friends

Geschrieben am November 9th, 2007 by Kirika.
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Heute wurde der Gesetzesvorschlag zur Vorratsdatenspeicherung vom Deutschen Bundestag beschlossen.
Kam grade im Radio.
Das Einzige, was noch fehlt, ist die Unterschrift vom Bundespräsidenten um das Gesetz in seinen “aktiven” Zustand zu versetzen. Doch was ist, wenn dieser nicht unterschreibt?
Nirgendwo im Grundgesetz ist vorgemerkt, ob er dies darf oder nicht, ob er gezwungen werden kann oder ob er, wie vorgesehen, seinem Gewissen und gesunden Menschenverstand unterworfen ist.

Dennoch - sobald seine Unterschrift drauf ist, ist das Ding rechtsgültig. Und wenn es dann im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wird, genau dann wird die erste Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.
Begründung: Das Gesetz verletzt die Bürgerrechte auf Informelle Selbstbestimmung und das Fernmeldegeheimnis.

Diese sind unmissverständlich im Grundgesetz vermerkt und jedes Gesetz, das ein Grundgesetz verletzt ist de facto rechtsungültig.

Alle Daten, die durch dieses Gesetz gesammelt werden, sind meiner Meinung nach nicht als Beweise vor Gericht zugelassen (sollte es so weit kommen), da sie auf illegale Weise (eben durch dieses Gesetz) gesammelt wurden.

Aber ich denke, das größte Problem wird die Umsetzung sein:
Wer sammelt? Was alles?

Die Frage, wer sammeln wird, wird uns wohl bis zum Entscheid des Bundesverfassungsgerichts noch eine Weile beschäftigen. Die Kosten für Datenträger, Personal usw. wird der Staat nur sehr ungern stellen.
Aber die Internetprovider wollen das ebensowenig - dumm gelaufen.

Was alles? Besser gesagt: Wie lange können wir das sammeln?
Wenn ca. 50 Millionen Menschen alltäglich mehrmals das Telefon nutzen, 2 E-Mails schreiben und 4 SMS über den Tag verteilt auch, so ergibt sich pro Tag eine Eintragssumme von ca. 500.000.000 .
Ganz schön große Zahl. Auch wenn wir heutzutage Datenspeicher haben, die bald die 1-Terrabyte-Grenze überschreiten werden, ist diese Masse nicht ohne großen Aufwand gut zu überwältigen.
Man muss bedenken, jeden Tag kommen wieder so viele Einträge zusammen, die gesamt für 1 Jahr gespeichert werden.
Am Ende eines Jahres hätten wir ca. 182.500.000.000 Einträge.
In Zeiten wie unseren, in denen die Kommunikation immer mehr zunimmt, kann man sich denken, dass es bei diesen Einträgen nicht bleiben wird.
Im Gegenteil, diese Zahl wird wachsen, je intensiver wir das Telefon, E-Mail, SMS und Handy nutzen.
Wenn man jetzt überlegt, dass dazu noch Einträge hinzukommen wann und wo und wie lange ein Telefon genutzt wurde, wenn man bedenkt, dass auch noch Einträge dazukommen, welche Server man als Nutzer angesurft hat usw, wird diese Zahl da oben wohl nur ein Bruchteil dessen sein, was da auf die Bundesregierung und die EU zukommt.

Darum warten wir nunmal ab, was der europäische Gerichtshof und das Bundesverfassungsgericht dazu meinen.
Denn in der Form kommt dieses Gesetz garantiert nicht durch.

Weiterführender Link: Stoppt die VorratsdatenspeicherungTags:Bundesverfassungsgericht Gesetz Grundgesetz Staat Verfassungsbeschwerde Vorratsdatenspeicherung

Mal ne kleine Logikfrage…

Geschrieben am Juli 2nd, 2007 by Kirika.
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Da ja nun die “Hackertools” offiziell verboten sind, das im Gesetzbüchlein steht und es ja logisch ist, dass sich der Staat an eben jene Gesetze halten muss, wie will man dann bitte noch den sogenannten “Bundestrojaner” einsetzen?
Der Bundesbürger wird ja gewissermaßen gehackt und ein Trojaner ist ein sogenanntes “Hackertool”. Auch der Versuch, bei jemandes PC unbefugt einzudringen ist ja strafbar.
Ergo KANN der Staat die PCs des Bundesbürger ohne dessen Einwilligung nicht überwachen, da er sonst selbst gegen sein gerade verabschiedetes Gesetz verstoßen würde, sehe ich das richtig?Tags:Überwachungsstaat Bundestrojaner Schäuble Unlogisch

Wegschauen

Geschrieben am Juni 15th, 2007 by Kirika.
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Es steht groß in der Zeitung auf Seite 1:
“Alte Frau von Jugendlichen zusammengeschlagen und ausgeraubt.”
Darunter: “Zeugen dringend gesucht.”

Obwohl diese Tat in einer belebten Einkaufsstraße geschah, meldet sich niemand.
Täglich häufen sich solche Taten, bei der zwar Passanten anwesend waren - doch später keiner etwas gesehen oder gehört haben will.
Weshalb jedoch ist dieses Verhalten, lieber wegzusehen als einzugreifen, so stark in unserer Gesellschaft verbreitet?
Auf die Gründe für ein solches Verhalten, und die Möglichkeiten, diesen entgegenzuwirken, versuche ich im folgenden Text einzugehen.

Oft in Zeugenaussagen zu hören sind Sätze wie “Wenn er weitergemacht hätte, hätte ich doch eingegriffen”, “Ich dachte, das wäre nicht so ernst, sondern Spaß”, “Ich hatte Angst” oder “Ich dachte, jemand anders kümmert sich schon darum”.
Diese Aussagen zeigen, wovor Polizei und Justiz lange gewarnt haben:
Allgemeines Desinteresse und mangelnde Zivilcourage. Doch warum ist das so?

Punkt eins:
Das ureigenste aller menschlichen Gefühle ist oft die Entschuldigung für das Wegschauen: Angst.
Die Angst ist ein Trieb der Selbsterhaltung;
sehen wir eine Gefahr, laufen wir weg.
Genauso ist dieses Verhalten bei Straftaten in der Öffentlichkeit zu sehen. Wir greifen nicht ein, weil wir uns nicht selbst in Gefahr begeben wollen.

Punkt zwei:
Ebenso wird oft angeführt, dass man dachte, jemand anderes würde sich der Sache annehmen.
Hier liegt eine weitere Eigenart des Menschen vor, welche auch bei Schimpansen zu beobachten ist.
Diese wägen Vor- und Nachteile ab. Lohnt es sich, wird es gemacht, ist die “Investition” (Aufwand, Gefahr) zu hoch, wird es nicht gemacht.
Wir sind zu faul, etwas zu tun, und erwarten, dass nicht wir selbst, sondern ein Andrer den Kopf hinhalten und eingreifen soll.
Da wir jedoch alle nach diesem Abwägungsprinzip arbeiten, geht diese Erwartung nicht auf.

Punkt drei:
Typisch ist der Gedankengang, der bei der Faulheitsmentalität gleich mit eingebracht wird:
“Es betrifft mich nicht, ich kenne dich nicht - Kümmer’ dich mal schön selbst um dein Problem.”
Es ist erwiesen, Freunden und Verwandten hilft man eher als einem Fremden.
Dies ist ein Faktor der Anonymität. Wir identifizieren uns nicht so intensiv mit dem fremden Opfer, wie wir es mit dem bekannten Opfer tun würden. Eben dadurch sehen wir uns nicht zum Handeln veranlasst.

Punkt vier:
Das “Nicht-ernst-nehmen“.
Ein großer Fehler, den sich leider viele Zeugen erlauben, ist, die Situation nicht ernst zu nehmen.
Schlagen sich beispielsweise zwei Jugendliche in der Öffentlichkeit, so wird dies oft als Spaß abgetan und nicht weiter beachtet.
Hier finden wir gleich ein weiteres Phänomen: Abstumpfung.
Die Bereitschaft dazwischen zu gehen sinkt, da wir Gewalt immer mehr als alltäglich (Film&Fernsehen) ansehen und diese gewohnt sind. Erst wenn das Opfer schwer verletzt am Boden liegt oder der Täter flieht, wird geholfen.

Punkt fünf:
Er wird oft vernachlässigt. Doch er ist einer der stärksten Faktoren, weshalb man nicht eingreift:
Der Herdentrieb.
Ein kleines Beispiel: Zwei betrunkene Männer prügeln sich in einer belebten Einkaufsstraße. Um sie herum stehen zirka 30 Leute im Kreis. Wird jemand eingreifen? - Nein.
Der Herdentrieb, das heisst der Druck der Gruppe auf den Einzelnen ist zu stark.
Wir wollen nicht in der Gruppe auffallen und durch sie ausgeschlossen werden.
Der Grund hierfür liegt wieder in der Natur: Ohne Gruppe/Herde ist die Überlebenschance vor ein paar tausend Jahren recht gering.
Auch wenn unser Überleben in der heutigen Zeit, ohne natürliche Feinde (wir übersehen unseresgleichen hier mal großzügig), gesichert ist…der Gruppenzwang bzw. Herdentrieb ist dennoch vorhanden.

Die Gründe für dieses passive Verhalten sind genannt - doch wie sieht es mit den Möglichkeiten aus?

Am wirkungsvollsten, da am weitreichendsten, sind mediale Kampagnen. Leider wollen vor allem Privatsender für ihre Sendezeit Geld, welche die oftmals von staatlicher Seite (und das recht knapp) geförderten Kampagnen nicht aufbringen können.
Auch Kampagnen an Schulen können den oben genannten Gründen entgegenwirken. Zumindest in ein paar Jahren wird sich dies ausgezahlt haben.
Die etwas massivere Methode sind Strafen: Unterlassene Hilfeleistung wird mit bis zu einem Jahr Haftstrafe geahndet.
Hier ist wohl die Abschreckung die Devise - für Nichtstun will schließlich keiner bestraft werden.
Es dürfte klar sein: Man muss die Menschen für solcherlei Straftaten sensibilisieren, ihnen zeigen, dass Wegschauen das Problem nicht löst sondern es eher noch verschlimmert.
Es ist wirklich einfach, einzugreifen. Man muss nicht den Helden spielen, die Polizei rufen reicht in den meisten Fällen schon. Wenn die Leute das beherzigen würden (wie es manche vorbildlich tun) , würden solcherlei Straftaten bestimmt zurückgehen.
Wir sind schließlich nicht die drei Affen von Nikko, sondern Menschen in einer Gesellschaft, die auf sich achten müssen, damit diese Gesellschaftüberhaupt funktioniert.Tags:Desinteresse Deutsch Drei Affen Erörterung Gründe Straftaten Wegschauen ZK

Alle wollen Epo…

Geschrieben am Mai 27th, 2007 by Kirika.
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alle-wollen-epo

…doch keiner weiss so richtig was das ist.
Nun, Epo und Blutdoping werden in den Nachrichten immer vermixt, jedoch besteht da ein kleiner Unterschied:
Das echte Blutdoping läuft folgendermaßen ab:
Der Sportler macht 2 Wochen Höhentraining. Aufgrund der dünnen Luft dort produziert der Körper mehr Blutkörperchen - ist ja logisch, er will nicht schlapp machen. Nun wird dem Sportler etwas Blut abgezapft (normalerweise 500-1000ml).
Das wird denn konserviert und der Sportler beendet das Höhentraining, damit die Anzahl der Blutkörperchen wieder auf Normalwert sinkt, da er sonst disqualifiziert werden könnte (Vorteil durch höhere Belastbarkeit etc ;) ).
Doch unsere Dopingspezialisten sind nun natürlich nicht auf den Kopf gefallen:
Kurz vor Beginn des Rennens/Spiels/wasauchimmer wird dem Sportler das Blut, das ihm vorher abgenommen wurde, wieder in den Kreislauf gegeben. Nun hat unser Sportler wieder mehr rote Blutkörperchen, die logischerweise mehr Sauerstoff transportieren können und das Ergebnis dürfte klar sein: Er hat mehr Ausdauer, ist also stärker belastbar.
Einzig allein fällt auf, dass die Anzahl der roten Blutkörperchen erhöht ist. Da es das Blut des Sportler ist, das ihm zugeführt wurde, kann man jedoch praktischerweise kein “Doping” nachweisen.
Es gibt jedoch auch die schnelle Methode mit Fremdblut - gleicher Effekt aber: Es ist nachweisbar, da das Blut nunmal nicht zu dem Körper gehört. Einzig allein bei beiden Methoden nachweisbar ist das Glykol, das zum Konservieren des Blutes verwendet wird. Glykol ist eine Art “Frostschutzmittel”, damit die roten Blutkörperchen nicht durch entstehende Eiskristalle zerstört werden (so werden übrigens auch Menschen konserviert, die sich einfrieren lassen - klingt komisch, ist aber so).

Doch zurück zu dem, um was sich grade alles dreht: Epo.
Epo, auch Erythropoetin (na wem fällt an dem Namen was auf?) genannt, ist ein körpereigenes Hormon, welches in der Niere produziert wird. Es regt die Bildung der sogenannten Erythrozyten an. Und Erythrozyten sind…richtig.
Rote Blutkörperchen. Das heisst, Epo hat eigentlich den gleichen Effekt wie Höhentraining - nur ohne Training.
Darum wird es oftmals kurz vor einem Wettkampf eingesetzt.
1983 war es soweit: Man konnte Epo künstlich herstellen. Und seitdem wird es auf der ganzen Welt als Dopingmittel genutzt. Einziges Problem: Man darf es nicht übertreiben. Ansonsten kommt es zur Bluteindickung, ergo steigt durch übermßige Nutzung von Epo die Gefahr von Thrombosen, kleinen Blutgerinnseln in den Gefäßen, stark an.
Das “Tolle” an Epo ist: Man kann es sehr schlecht nachweisen, da sich das synthetische und das menschliche kaum unterscheiden.
Darum hat man sich einen Trick ausgedacht, bis es bessere Methoden gab:
Man misst den Hämatokrit-Wert, also die Anzahl der roten Blutkürperchen.
Das Dumme ist nur: Dieser Wert schwankt. Man nimmt als Richtwert ca. 47% bei Männern und 42% bei Frauen.
Gemacht wird das so: Man nimmt der Testperson Blut ab, steckt es in eine Zentrifuge, schmeisst diese an und wartet.
Bald setzt sich unten der “feste Teil” des Blutes ab: Blutblättchen und rote/weisse Blutkörperchen.
Oben schwimmt das Blutplasma, also die Körperflüssigkeit. Nun wird das Gesamtvolumen der roten Blutkörperchen durch das des Blutplasmas geteilt: Fertig ist der Hämatokrit-Wert.

Heutzutage macht man das etwas anders. Näheres dazu findet man hier, da es recht kompliziert zu erklären ist.
Kurz gesagt: Man nimmt den Urin, steckt ihn in eine riesige Maschine und beschiesst ihn mit Elektronen, sofern ich richtig aufgepasst habe. Dadurch zerfällt das Gruscht in seine Einzelteile und man kann nachschaun woraus das besteht. Denn Epo vom Menschen unterscheidet sich ein kleines bischen von künstlichem Epo.

Kurz und gut, alle nehmen Epo, haben mehr Ausdauer und die ganzen Tour de Frances, Olympiaden und so weiter sind gewissermaßen für den Arsch. Denn alles ist Schein. Und falls ihr Epo nehmen wollt, nehmt nicht zu viel ;)
Sonst gibts entweder nen Schlaganfall, nen Herzinfarkt, ne Lungenembolie oder mehreres zusammen - kurz gesagt ne Thrombose.
Und das wollen wir doch nicht….oder, liebe Radsportler?Tags:Blutdoping Doping Epo Erythropoetin Radsport Tour de France