Was ist ein…Abmahnanwalt?

Geschrieben am März 13th, 2007 by Kirika.
Kategorien: Komischer Gruscht, Das da... | .

Satire

Das da, der Mann mit der Zigarette im Mund, der vor seinem PC sitzt, das ist der Harry.
Der Harry ist nicht etwa ein gescheiterter Potter, sondern Abmahnanwalt.
Abmahnanwälte sind Leute, die den ganzen Tag vor ihren Rechnern sitzen und Internetseiten suchen, auf denen was böses über jemanden steht, oder auf denen etwas drauf ist, das dem Seitenbesitzer nicht gehört.
Genau das macht auch unser Harry.
Der Harry hat ein ganz schön schweres Leben, denn er sitzt da nun den ganzen Tag und klickt und klickt und klickt.
Wenn er dann was gefunden hat, muss er erstmal in das sogenannte Impressum schauen, wo sein neuestes Opfer wohnt, dann schreibt er sich die Adresse auf und seufzt leise.
Der Harry muss nämlich nun viel viel arbeiten:

  1. Den Abmahn-Musterbrief in Word öffnen
  2. Die Adresse und die Internetseite des Opfers eintippen
  3. Ausdrucken
  4. In den Briefumschlag tun
  5. Adressieren
  6. Briefmarke drauf
  7. Und dann der Sekretärin geben.

Sehr viel Arbeit, nicht?
Die Sekretärin geht dann zum Postkasten und schmeisst den Brief da rein.
Schon hat man wieder mehrere 100€ verdient.

Manchmal findet der Harry seine Arbeit ganz schön langweilig und schwer, vor allem, wenn man sich wieder unsinnig hohe Summen ausdenken muss. Das ist nämlich auch Schwerstarbeit, man muss schliesslich abschätzen, wie viel zu holen ist.
Aber der Harry macht das gerne, der Sportwagen will ja schliesslich auch abbezahlt werden.

Der Harry macht das aber nicht nur deswegen. Oftmals sucht er gezielt nach einer Sache um dafür Opfer zu finden. Meistens macht er das dann für eine Firma, die ihm Geld dafür gibt.
Der Harry ist nämlich billiger als so mancher Firmenanwalt und vor allem hat er nicht mit Patentrechten und Industriespionage zu kämpfen. Das könnte er auch nicht, denn der Harry hat da wieder mal nicht im Jurastudium aufgepasst.

Wenn der Brief dann beim Opfer angekommen und offen ist, hört man oftmals ein entsetztes Schreien oder einen sehr sehr lauten Fluch. Kommt immer auf die Summe an.
Ist die Summe sehr hoch kommt der Schrei. Andernfalls halt der Fluch…
Oftmals ist die Summe zwischen 500-200.000€. Je nachdem, wie “schwer” der “Schaden” war.

Das Tolle für den Harry ist aber, dass er das Honorar, das er vom Opfer als Bearbeitungsgebühr kriegt, selbst festlegen darf. Er könnte einfach sagen, dass er 10 Stunden drangesessen ist, bei einem Stundenlohn von 50€. Zack, schon hat der Harry 500€ mehr in der Tasche. Oder er passt die Bearbeitungsgebühr an die Abmahnsumme an.
Da kommt dann oftmals noch mehr rein.
Das Opfer weiss ja nicht, dass der Harry einfach nur eine Suchmaschine benutzt hat und auf seine Seite gekommen ist, also eigentlich nur blind im Internetnebel rumstochert und ab und zu was findet, das ihm Geld bringt.

Seht ihr Kinder, so ein Abmahnanwalt hats ganz arg schwer. Und seine Kollegen können ihn oft auch nicht leiden.
Die nennen ihn dann Unwalt, Schmarotzer oder schlicht Kollegenschwein. Macht dem Harry aber nix, denn der Harry könnte sowieso niemals richtig jemanden vertreten. Dazu fehlen ihm schlicht und einfach die notwendigen Stunden.
Der Harry hat nämlich beim Jurastudium gerne mal zwischendurch gepennt.
Macht aber nix, denn der Harry ist sowieso eine geldgeile Niete. Wie viele Abmahnanwälte.
Warum der Harry einen Sportwagen führt, das weiss man nicht so genau, aber man vermutet, dass dies eine Art Schwanzersatz Spielzeug für ihn ist. Die Frauen stehn zumindest drauf.

Tja Kinder, wenn ihr reich, unbeliebt und schlichtweg böse werden wollt, studiert Jura, pennt dabei und kauft euch später von dem ergaunerten Geld einen Sportwagen.
Das freut den Harry, denn doppelt abmahnen macht gleich zweimal soviel Spaß. Und Geld bringts auch.

/SatireTags:

14 Kommentare.

Pingback on März 13th, 2007.

[…] das Schmunzeln nicht verkneifen. Zwar ist die Sache mit den Honorar nicht ganz so einfach, aber die Satire von Kiri ist wirklich sehr […]

Trackback on März 13th, 2007.

Immer diese Satire…

Wieso kommt mir die Geschichte bei Kiri nur so bekannt vor? *schmunzel*

……

Comment on März 13th, 2007.

huhu! und ich bin der, der dich da so spontan verlinkt hat…manchmal liest sich die nüchterne wahrheit mit humor eben wesentlich süßer als womit sie eigentlich versalzen wurde! danke dir! schön geschrieben =)

Comment on März 13th, 2007.

Vielen Dank, Lob liest man immer gerne :)

.
Comment on März 13th, 2007.

irgendwann gerät so ein geschwür der gesellschaft mal an den falschen der ihm ordentlich was aus maul haut.. dann dann hat harry viel zeit darüber anch zu denken, wieso er den rest seines lebens auf flüssignahrung und einen rollstuhl angewiesen ist.

:::::...:
Comment on März 14th, 2007.

Politiker, Stromkonzerne, Abmahnanwälte könnten von mir aus bald alle im Rollsthul sitzen…. die Liste liess’ sich beliebig fortführen…..
aber jeder kriegt irgendwann das was er verdient

Pingback on März 14th, 2007.

[…] dachte ich, ich hätte mich beim Abmahnanwalt verlesen und es handele sich um Satire. Doch beim Lesen wurde mir klar - das ist Real […]

Pingback on März 14th, 2007.

[…] darüber schreiben. Kiris Blog hat drüber nachgedacht und geschrieben. Herausgekommen ist eine kleine aber feine Satire über diese Gattung Mensch die niemals viele Freunde haben […]

M. Boettcher
Comment on März 14th, 2007.

Nette Geschichte! Harry ist wohl ein kleiner Fisch. Im Web gibt es aber auch Haie. Die suchen nicht selbst im Internet, wie Harry, sondern die lassen suchen. Von ganzen Suchteams! Z. B. nach Internetseiten, auf denen Karten für die Anfahrt zum Geschäft, zur Party oder zu anderen interessanten Stellen hinterlegt sind. Davon gibt es massig viele. Eine Karte für das Web kauft kaum einer. Viel zu teuer! Dem Kartenabieter ist das sehr recht. Er will nicht günstig verkaufen, er will abmahnen. Deshalb hat er die Preise so hoch gesetzt. Und das Geschäft mit den Kartenabmahnungen brummt seit Jahren. Das Suchteam sichert die Beweise, stellt die auf einen Server. Von da holen sich Anwälte die Belege und schicken die Abmahnungen und Schadenersatzforderungen raus. Das lohnt sich so sehr, dass man das Ganze auch als Dienstleistung an weitere Kartenverlage vermarktet.

Pingback on März 15th, 2007.

[…] oder: “Wie sieht eigentlich der Alltag eines Abmahnanwalts aus?” oder: “Warum wird man eigentlich Abmahnanwalt?” oder eben: “Was ist ein … Abmahnanwalt?” […]

Neuber
Comment on März 17th, 2007.

Selten so gelacht !

Comment on März 19th, 2007.

Grinz Der (Abm)a(h)nwalt hat doch ganz klar eine ABM stelle und hilft den Gerichten selbst Arbeit zu bekommen.

Tatsächlich gibt es nur eine Gegenwehr. Die Jungs zur Klage zu zwingen. Wenn man dann noch erfolgreich das Landgericht Hamburg vermeidet, kostet das dem Harry sehr viel Zeit und je nachdem wie der zuständige Richter würfelt ist das Ergebnis offen.

Ansonsten sollte man sich darauf besinnen das man Europäer ist und das es dar einen Gerichtshof gibt, der fast alles anders sieht als unsere Gerichte. Da braucht der Harry dann selber einen teuren Anwalt, während wir auf Prozesskostenhilfe ruhig dahinschwimmen.

Solch ein Prozess dauert Jahre bis Jahrzehnte, kostet ein paar Nerven, aber dem Harry die Existenz

Comment on Februar 16th, 2008.

Leider bekomme ich, wenn ich das Wort Abmahnanwalt nur höre, so einen Hass, dass ich den eigentlich sehr lustigen Text nicht mehr genießen kann. Wichtig ist in jedem Fall, das man sich immer wehrt!

Comment on August 30th, 2008.

Also ich kann da leider gar nicht drüber lachen - weil ich weiß, dass es leider absolute REAL ist. Schon einige Kunden von uns wurden wegen absoluter Lächerlichkeiten abgemahnt und mussten zahlen. Da bekomme ich so einen dicken Hals… Wo leben wir hier eigentlich? Diese Abmahngeschichten gibt es nur in Deutschland. Warum schreitet nicht endlich mal der Gesetzgeber ein?

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